
In ihrer Gemeinde soll das Schwimmbad der Stadt verkauft und privatisiert werden, weil die Gemeindekassen leer sind und der Stadt ein eigenes Konzept zur Modernisierung fehlt. Sie denken darüber nach als Privatier zu kaufen, zu sanieren und damit etwas für die Region zu tun. Schauen wir einmal gemeinsam genauer hin, worauf es bei einem Schwimmbad ankommt.
Rückgang der Freizeitbäder
Laut der Umfrageseite Statista schrumpft die Bäderlandschaft jährlich um circa 70 Bäder. Derzeit haben wir noch knapp 6000 Freizeitbäder in Deutschland. Tendenziell gibt es mehr Hallenschwimmbäder als Freibäder. Am seltensten mit ungefähr 500 Stück deutschlandweit, sind die Naturbäder.
Der Rückgang der Bäderlandschaft mag etwas mit der Corona Zeit zu tun haben und der daraus resultierenden Rezession, in die wir gerade Wohl oder Übel reinrutschen. Es gibt jedoch auch noch weitere Faktoren. In Thüringen zum Beispiel waren 2023 die Sommerferien verregnet und dadurch gab es im heißesten Sommer aller Zeiten (laut Tagesschau) einen Umsatzeinbruch von 20 Prozent. Was natürlich für ein Freizeitbad finanziell kaum zu stemmen ist, wenn gleichzeitig die Energiepreise explodieren.
Neue Konzepte der Freizeitbäder
• In anderen Freizeiteinrichtungen wie Freizeitparks und Museen spielt die Thematisierung und Emotionalisierung des Angebots eine wichtige Rolle. Lässt sich das geplante Bad auf der Gefühlsebene umgestalten? Gibt es eine Werbeagentur, die sich mit dem Thema Freizeitbäder auskennt?
• Die Anforderungen an die funktionale, ästhetische und programmatische Ausstattung von Bädern unterliegen einem Wandel, der voraussichtlich neue Trends in Bezug auf „Bademode“ und „Bademuster“ hervorbringen wird. Die Zielgruppen und Erwartungen der Nutzer könnten sich im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Trends wie Migration, demografischem Wandel erheblich verändern.
• Eine weitergehende Verschmelzung von lokalen Freizeitstrukturen und touristischen Angeboten könnte auch den Freizeitbädersektor stark beeinflussen und Bäder zu Kurzurlaubszielen machen.
• Eine zunehmende Ausrichtung auf Gesundheit in einer speziell entwickelten Erlebniswelt könnte zu mehr Gästen im Bereich der Bäder führen.
• Soll das geplante Schwimmbad ein Sportschwimmbad werden oder ein Spaßbad? Auch diese Frage muss von Beginn an geklärt werden.
Neue Entwicklungen in der Klimapolitik
In der Klimapolitik ist viel los. Wo das Baden vor Jahren noch mit Freunde zu tun hatte und eher positiv konnotiert wurde, wird heute vom Gesundheitsminister davor gewarnt. So kann es sinnvoll sein in Zukunft vorzusorgen und bei Außenbereichen für ausreichend Schatten zu sorgen und so für die Gäste und ihr Wohlbefinden vorzusorgen. Hier sind sogar Teilüberdachungen der Becken denkbar, um von vornherein für alle gesetzlichen Änderungen gewappnet zu sein. Kreativ sein und mitdenken, muss das Motto des modernen Investors heißen.
Auch braucht ein neues Hallenbad ein absolut „wasserdichtes“ Konzept was die Beheizung der Becken und Hallen anbelangt. Ansonsten wird jedes Schwimmbad zu einem Fass ohne Boden, dessen Strudel den Betreiber ins wirtschaftliche Nirwana zieht.
Prüfen Sie unbedingt, ob eine moderne Solaranlage eine Option ist. Bei bestehenden Bädern, wird es stark auf die Fläche und Beschaffenheit des Dachs ankommen, wenn eine Solaranlage zur Energiegewinnung für das zukünftige Freizeitbad angedacht ist. Rechnen Sie sich die Kosten durch und schauen Sie, wann sich eine solche Anlage amortisiert haben wird. Lohnt der Aufwand, steht er im Verhältnis zum Nutzen? Oder sollten Sie doch weiter mit Gas heizen?
Was machen die Mitbewerber – Konkurrenzanalyse?
1. Marktforschung als Fundament:
Bevor man mit der Konkurrenzanalyse beginnt, ist es entscheidend, den Markt als Ganzes zu verstehen. Welche Trends prägen die Badebranche? Eine solide Marktforschung schafft die Grundlage für eine effektive Konkurrenzprüfung.
2. Identifikation der Wettbewerber:
Wer sind die direkten Wettbewerber. Dies beinhaltet nicht nur Unternehmen, die Schwimmbäder innehaben, sondern auch solche, die ähnliche Bedürfnisse der Freizeitgestaltung (Sport, Wellness) befriedigen können.
3. SWOT-Analyse:
Führen Sie eine SWOT-Analyse (Stärken, Schwächen, Chancen, Risiken) für sich selbst und Ihre Hauptkonkurrenten durch. Dadurch lassen sich Potenziale und Schwächen besser einschätzen und die Konkurrenz besser verstehen.
4. Kundenerfahrungen und Bewertungen:
Untersuchen Sie Kundenbewertungen und Erfahrungen bei bestehenden Wettbewerbern. Dies kann Aufschluss darüber geben, was Kunden schätzen und welche Schwächen es in der Branche gibt.
5. Preisstrategien:
Analysieren Sie die Preisstrategien der Konkurrenz. Bieten Sie Premium an oder setzen sie auf Preiskampf? Dies kann Einblicke in die Positionierung und die Erwartungen des Marktes bieten. Und entscheidet auch darüber, was Sie für Gäste anziehen werden.
6. Innovationspotential:
Untersuchen Sie, wie innovativ die Wettbewerber sind. Gibt es unerfüllte Bedürfnisse in der Zielgruppe, die mit innovativen Lösungen abgedeckt werden können?
7. Rechtliche und regulatorische Aspekte:
Prüfen Sie rechtliche Rahmenbedingungen und regulatorische Anforderungen. Dies ist besonders wichtig, um mögliche Hürden und Vorschriften zu kennen und es bei der Eröffnung leichter zu haben.
8. Zukunftsaussichten:
Bewerten Sie die langfristigen Aussichten der Branche und der Wettbewerber. Welche Entwicklungen sind zu erwarten, und wie könnten Sie sich darauf vorbereiten?
Auch Freizeitbäder brauchen eine sachkundige Bewertung
Gerade, wenn Sie beabsichtigen ein bestehendes Schwimmbad zu übernehmen, müssen Sie unbedingt ein Prüfverfahren durch einen Immobilien Sachverständigen durchführen lassen, um nicht eiskalt von der Realität geduscht zu werden.
Freizeitbäder bergen viele Risiken. Ist die Sicherheit gewährleistet, ist das Dach stabil genug was Schneemassen betrifft oder eine Solaranlage? Wurden giftige Baumaterialien verbaut oder ist das soweit in Ordnung? Wie ist der Zustand der Heizanlage? Ist das Interieur der Großküche noch nutzbar und modern genug für die Anforderungen der zukünftigen Gäste? All diese Fragen, aber auch Kennziffern der Stadtentwicklung oder die Bilanzen der Bücher müssen geprüft werden. Deshalb möchten wir Ihnen dringend raten, sich einen Profi mit ins Boot zu nehmen, wenn Ihr neues Vorhaben gelingen soll.


